Pilatus P2 D-ETAB (U-157)

Beschreibung allgemein:

Unsere Pilatus P2 ist schon ein ganz besonderes Flugzeug!

Gebaut wurde sie in der Schweiz in Stanz am Vierwaldstätter See. Gegründet wurde die Firma Pilatus Anfang der Vierziger Jahre des vorherigen Jahrhundert eigentlich als Wartungsbetrieb für die damals gebräuchlichen Flugzeuge der Schweizer Armee, insbesondere Messerschmitt 109 Emil, C36, Bücker Jungmann und DC3. Hieraus entwickelte sich der Bau eines Fortgeschrittenentrainers zwischen dem Anfangsflieger Bücker und dem Einsatzflieger ME 109 nachdem Plänen der Regierung die Lizenzrechte für die Arado 96B zu erwerben, fehlgeschlagen waren. Eine P1 hat es nie gegeben, sodass zu vermuten ist, das aus dieser Zeit der Holzflügel mehr oder weniger fertig geplant in der Schublade lag. Als praktisch denkende Werftleute machte man das beste draus und baute mit den verfügbaren (teils Ersatz-) Teilen das von der Regierung geforderte Flugzeug und übergab es dem Militär zum testen. Die Tests waren so erfolgreich, dass nun insgesamt 54 Pilatus P2 der letztendliche  Bauserie 05 und 06 gefertigt wurden. Die P2 ist somit eine Mischung aus dem Kraftstrang der Arado 96 mit Argus AS 410-2 V12 luftgekühltem Motor mit 465 PS und einer selbstregulierenden 2stufig schaltbaren 2-Blatt Luftschraube AL22, dem Fahrwerk ME 109 Emil, einem tollen Flügel und vielen technischen und optischen Anleihen an die C36, vor allem bevor diese zur “Altenrhein” umgebaut wurde.

Der Einsatzzweck im Schweizer Militär war die Weiterbildung der Piloten als Vorbereitung zum Jagdfliegereinsatz. Dementsprechend erfolgte die Kennzeichnung mit A-101 bis U-157, wobei das A=Ausbildungsflugzeug und U=Übungsflugzeug bedeutete, die erste Ziffer den Flugzeugtyp sowie die nächsten zwei Ziffern die Durchnummerierung bedeutet haben. Die A-Flugzeuge waren für reinen Sichtflug und die U-Flugzeuge für sog. “Blindflug” vorgesehen. Da jedoch alle Flugzeuge nachträglich angeglichen wurden, erfolgten diverse Umregistrierungen und Änderungen. Auch wurde trotz nur 54 tatsächlich produzierten Flugzeugen bis zum Schluss die Werknummer 77 zugeteilt, was ebenfalls irreführend ist! Die Lfz taten ihren Dienst in der Schweizer Armee bis etwa 1980, Fremdkunden gab es nicht.

Geschichte dieser Maschine:

Die Pilatus P2 U-157, Serialnummer 77, Kennzeichen D-ETAB ist somit die letzte und jüngste Pilatus, die im März 1950 die Werkhallen in Stanz verlassen hat.. Dienstort war Dübendorf. Bekanntermaßen wurden die meisten P2 nach Dienstende einer zivilen Versteigerung zugeführt. Zwei jedoch nicht! Diese gingen in Dübendorfer Museum, weil sie “zu schade” für den Markt waren! Eine hängt dort noch unter der Decke und die andere gehört heute uns! Doch so kurz war die Historie nicht.

Das Museum Dübendorf tauschte das Lfz via Mittelsmann gegen Motoren etc. mit dem renommierten US Aviation Museum Fantasy of Flight, Kermit Weeks, Florida. Kaum dort angekommen und zusammengebaut, gab es jedoch das Unglück schlechthin für die gesamte Sammlung. Der Hurrikan Andrew zerstörte viele Teile der Sammlung und ließ auch unsere P2 nicht unberührt! Der kaseinverleimte Holzflügel wurde praktisch geflutet, was dieser natürlich gar nicht mag! Auch Metallteile des Leitwerks wurden getroffen, sodass Kermit Weeks das Projekt zum Wiederaufbau verwarf, da es andere Dinge gab, die man dort für wichtiger erachtete! Eine blenderhafte Reparatur durch einen US Privatmann und ein Angebot im Netz lies das Lfz wieder in private Hände nach Deutschland gelangen

Die Ankunft bei uns zwecks Zusammenbau aus dem Container brachte die schmerzliche Ernüchterung. Flügel nicht lufttüchtig, Motor sei ca. 25 Jahren nicht mehr gelaufen, Propeller Transportbeschädigt, Avionik nicht vorhanden usw. Das Flugzeug stand auf der Kippe zwischen Museumsstück beim Kunden oder Totalrestauration nach Eigenerwerb! Eine glückliche Fügung brachte die letztproduzierte Maschine nach ca. 30 Jahren nach Ausserdienstsetzung im September 2011 wieder in die Luft!

Hierzu musste der Flügel zu etwa 80% neu gebaut werden, der Propeller Grundüberholt, der Motor einer Totalrevision unterzogen, die Avionik installiert, die Elektrik erneuert, alle Dichtungen gewechselt und das gesamte Metall überarbeitet und poliert werden, Es folgte der Zusammenbau, Einstellungen und Systemtests noch und nöcher…. Das Ergebnis ist dann wohl die beste, schönste und edelste P2, die es aktuell gibt.

Sie fliegt seit dem Herbst 2011 in Bestzustand einwandfrei, unproblematisch und zur Freude aller Beteiligten und Mitflieger so wie man das eigentlich von einem Schweizer Qualitätsprodukt mit deutschen Wurzeln erwarten darf. Stellen Sie es sich vor und gehen Sie davon aus, sie fliegt noch schöner!!!